Oxfam-Studie zur Spekulation mit Nahrungsmitteln:

Oxfam-Studie zur Spekulation mit Nahrungsmitteln:

(Berlin/München, Oxfam, 09.05.2012) Oxfam Deutschland veröffentlicht zur heute in München stattfindenden Hauptversammlung der Allianz die Studie „Mit Essen spielt man nicht! – Die deutsche Finanzbranche und das Geschäft mit dem Hunger“. Die Studie zeigt, dass deutsche Finanzinstitute ein Sechstel des weltweit geschätzten Anlagevolumens in Agrarrohstoffen von 68,8 Milliarden Euro halten. Den Spitzenplatz nimmt die Allianz ein: Im Jahr 2011 legte sie nach Oxfams Berechnungen 6,24 Milliarden Euro direkt und indirekt in Nahrungsmitteln an. Die Hilfsorganisation protestiert gegen diese Anlageform, weil sie die weltweite Hungerkrise weiter verschärft.

„Viele Studien beleuchten den Zusammenhang zwischen Nahrungsmittelspekulation, Preisschwankungen und Hunger“, sagt Frank Braßel, Leiter der Oxfam-Kampagne „Mahlzeit!“. Während Familien in Deutschland lediglich etwa zehn Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, müssen Familien in armen Ländern oft bis zu 80 Prozent aufbringen. „In Armut lebende Menschen etwa in Kambodscha, Äthiopien oder Somalia können höhere Preise nicht abfangen. Dann müssen erst die Frauen auf Mahlzeiten verzichten und schließlich hungert die gesamte Familie“, erläutert Frank Braßel. Als die Nahrungsmittelpreise 2010/11 extrem in die Höhe schnellten, wurden zusätzlich 44 Millionen Menschen in armen Ländern in den Hunger getrieben.

„Erste europäische Geldinstitute haben Konsequenzen gezogen und ziehen sich aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln zurück. Oxfam hat die Allianz im März aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen“, so Braßel. Bislang weist das größte deutsche Versicherungsunternehmen diesen Vorschlag zurück, weshalb Oxfam auf der heutigen Hauptversammlung im Münchener Olympiapark zusammen mit den „Kritischen Aktionären“ einen Antrag auf Nicht-Entlastung des Vorstands stellt und vor dem Gebäude protestiert.

Die Studie zeigt, dass alle großen deutschen Finanzinstitute mit Nahrungsmitteln spekulieren. Die Allianz und auf Platz zwei die Deutsche Bank (2011: 4,57 Milliarden Euro in Agrarrohstoffen) sind mit Abstand die größten deutschen Akteure in diesem Geschäft.

Oxfam fordert die Finanzinstitute auf, aus der Nahrungsmittelspekulation auszusteigen. Zudem müssten Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine europäischen Kolleginnen und Kollegen effektive Regulierungen durchsetzen, um die Spekulation einzudämmen.

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