G20-Gipfel: Reformen des Globalen Finanzsystems notwendig

G20-Gipfel: Reformen des Globalen Finanzsystems notwendig

(VENRO, 03.11.2011) Bonn, 2. November – Die Bundesregierung muss sich auf dem G20-Gipfel in Cannes für Reformen des globalen Wirtschafts- und Finanzsystems einsetzen, die den Interessen und Bedürfnissen der ärmsten Menschen Rechnung tragen. Dies fordert der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) im Vorfeld des Treffens der Regierungs-und Finanzchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer.

„Die Industriestaaten müssen Verantwortung für die von ihnen verursachte Finanz- und Wirtschaftskrise übernehmen, deren Folgen besonders in den Entwicklungsländer zu spüren sind – die diese aber nicht zu verantworten haben“, so die stellvertretende VENRO-Vorsitzende Prof. Dr. hc Christa Randzio-Plath.

Die jüngste Krise habe gezeigt, dass Entwicklungsländer trotz ihrer geringen Integration in das globale Finanzsystem, stark von den Folgen unregulierter Finanzmärkte betroffen sind. Durch die Erhöhung der Nahrungsmittelpreise in den Jahren 2007 und 2008, die im Wesentlichen eine Folge von Spekulationen an den Börsen war, sind Millionen von Menschen in eine existenzielle Notlage geraten. Als Folge der  Finanz-und Wirtschaftskrise ist die Zahl der hungernden Menschen um 100 Millionen gestiegen.

Ein wichtiger Schritt, um die Finanzmärkte zu regulieren und erforderliche Mittel für Armutsbekämpfung und Klimaschutz zu generieren, ist laut VENRO die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. „Entscheidend ist allerdings, dass die Mittel auch für diese Zwecke ausgegeben und nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werden“, sagt Randzio-Plath.

Neben den Themen Weltwirtschaft, Reform des internationalen Währungssystems und Finanzmarktregulierung wird in Cannes auch über die weitere Umsetzung der im Vorjahr in Seoul beschlossenen G20-Entwicklungsagenda diskutiert.

VENRO begrüßt es, dass die G20 sich explizit mit Entwicklungsfragen beschäftigen. Der Verband weist jedoch darauf hin, dass ein reiner Fokus auf Wirtschaftswachstum nicht ausreicht, um die weltweite Armut nachhaltig zu bekämpfen. Entscheidend sind vielmehr die gerechte Verteilung der wirtschaftlichen Erfolge und die Bekämpfung der zunehmenden Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern sowie zwischen Arm und Reich in den Ländern.

Nachhaltige  Entwicklung ohne Einbeziehung der armen Bevölkerung und des ländlichen Raums ist nicht vorstellbar.   Anlässlich des Gipfels in Cannes hat VENRO in einem Positionspapier konkrete Forderungen zu den Themenfeldern Regierungsführung, Globale Ungleichgewichte, Finanzmarktregulierung und G20-Entwicklungsagenda formuliert.

Foto: The Prime Minister's Office via Flickr

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