Kolumbien: UN-Kampagne gegen Ausrottung von 35 Völkern

Kolumbien: UN-Kampagne gegen Ausrottung von 35 Völkern
(EPO, 31.9.2011) Berlin. – Die Vereinten Nationen haben eine Kampagne gegen das Aussterben von 35 indigenen Völkern in Kolumbien ins Leben gerufen. Mit der Kampagne reagiert die UNO auf eine Reihe von Bedrohungen, die zur Ausrottung der Indianer führen könnten. Dazu zählten Vertreibung im eigenen Land, Verschwindenlassen, Massaker, Tretminen und Zwangsrekrutierung von Minderjährigen für bewaffnete Gruppen, berichtete Survival International am Mittwoch in Berlin.

Die Organisation arbeitet eng mit einem der betroffenen Völker, den Nukak, zusammen. Sie leben als nomadische Jäger und Sammler im nordwestlichen Amazonasbecken.

Bereits im Jahr 2010 hatte Survival International vor dem Risiko des physischen oder kulturellen Verschwindens indigener Völker in Kolumbien gewarnt. Unter den Völkern, die als besonders bedroht hervorgehoben wurden, waren die Nukak-Maku, Guayaberos, Hitnu und Sicuani.

Kolumbiens nationale Indigenen-Organisation ONIC erklärte, allein in den letzten acht Monaten seien mehr als 60 Indigene ermordet worden. Guerilla-Gruppen, darunter die FARC, würden für einen Großteil der Verbrechen in Kolumbien verantwortlich gemacht. ONICs Nachforschungen bringen jedoch paramilitärische und staatliche Sicherheitskräfte mit der Mehrzahl der Morde in Verbindung.

Mit der neuen Kampagne will die UN nun über die Gefahren für Kolumbiens am stärksten bedrohte Völker aufklären. Ziel ist es, “Menschen zusammenzubringen, um gemeinsam Aktionen zum Schutz der [indigenen Völker] zu unterstützen”. Dies reflektiert auch der Titel der UN-Kampagne: “Wenn sie verschwinden, verschwindet ein Teil von dir”.

Das Beispiel der Nukak zeige, wie wichtig die UN-Kampagne ist, erklärte Survival International. Während des Bürgerkriegs in Kolumbien seien viele Nukak aus ihrer Heimat vertrieben worden. Sie lebten nun unter schwierigen Bedingungen an Stadträndern. Der Kontakt mit Außenstehenden sei für die Nukak fatal gewesen, so die Organisation. Seit dem ersten Kontakt 1988 seien mehr als die Hälfte der Nukak an herkömmlichen Krankheiten gestorben. Heute müssten die nomadischen Jäger und Sammler immer wieder mit Krankheitsausbrüchen und Depressionen kämpfen. Ihre Zukunft sei ungewiss.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: “Die UN-Kampagne macht sehr deutlich, dass das Aussterben eines Volkes nicht nur eine Tragödie für die Betroffenen ist, sondern auch ein unwiederbringlicher Verlust für die gesamte Menschheit.”

www.mipresente.org
www.survivalinternational.de

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