Keine Entwarnung: Jeder sechste Mensch hungert, weil die Politik versagt

Keine Entwarnung: Jeder sechste Mensch hungert, weil die Politik versagt

Zum Welternährungstag am 16.10.2010 erklärt Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung: “Es ist ein Skandal ersten Ranges, dass fast ein Sechstel der Menschheit Hunger leidet, obwohl weltweit genügend Nahrungsmittel produziert werden. Zwar ist die Zahl der chronisch Unterernährten im vergangenen Jahr erstmals seit langer Zeit wieder etwas zurückgegangen; aber aufgrund der Flutkatastrophe in Pakistan und stark anziehender Getreidepreise steigt die Zahl der Hungernden wieder und wird wahrscheinlich erneut die Eine-Milliarde-Grenze überschritten haben.

Wir brauchen auf internationaler Ebene starke Institutionen, die den weltweiten Kampf gegen den Hunger koordinieren. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich auf der zurzeit in Rom tagenden Welternährungskonferenz für eine Reform und Stärkung des Welternährungskomitees (CFS) einsetzt und auch die Ausarbeitung von Leitlinien für den Zugang zu Land kräftig voranbringt.

Dem skrupellosen Aufkaufen von riesigen Ackerflächen (“land grabbing”) durch Staats- und Hedgefonds sowie privaten Großinvestoren muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Jüngste Erhebungen der Weltbank sind alarmierend: Allein in den vergangenen beiden Jahren sind in Entwicklungsländern – vor allem in Afrika – 46,6 Millionen Hektar von ausländischen Investoren aufgekauft worden. Das ist eine Fläche so groß wie Deutschland und Österreich zusammen.

Wie schlimm dieser neue Scheckbuch-Kolonialismus ist, wird daran deutlich, dass nach dem Weltbank-Report bisher erst jede fünfte Vereinbarung über Landerwerb wirklich zu landwirtschaftlicher Nutzung geführt hat. Das mag teilweise an der Kürze der Zeit liegen. Es ist aber vor allem ein Hinweis darauf, dass in hohem Maße Spekulation im Spiel ist.

Sowohl in der Agrarpolitik der Entwicklungsländer als auch in der Entwicklungszusammenarbeit ist ein Kurswechsel nötig. Statt weiterhin auf den Anbau von “cash crops” wie Soja und Ölpalmen für den Export von Futtermitteln und Agro-Sprit zu setzen, sollten vor allem Kleinbauern darin unterstützt werden, auf nachhaltige Weise Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung zu produzieren.”

http://www.gruene-bundestag.de

Bild : Ishmael

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