Gleichstellung indigener Völker stößt an Grenzen

Gleichstellung indigener Völker stößt an Grenzen

Hamburg (epo.de). – In Lateinamerika werden die Rechte indigener Völker seit den 1980er Jahren zunehmend anerkannt. Doch die tatsächliche Gleichstellung indigener Gemeinschaften mit der jeweils dominanten Gesellschaft stößt nach wie vor an vielfältige Grenzen, analysiert das Hamburger GIGA Institut in der aktuellen Ausgabe seines “GIGA Focus Lateinamerika”. Materielle Armut und gesellschaftliche Diskriminierung haben sich demnach bisher nicht entscheidend verringert.

“Die indigenen Völker Lateinamerikas: Zwischen zunehmender Selbstbestimmung und anhaltender Marginalisierung” lautet der Titel der Ausgabe 8/2010 des GIGA Focus Lateinamerika. Die Analyse von Almut Schilling-Vacaflor verweist darauf, Perus Präsident Alan García habe im Juni 2010 ein Gesetz zurückgewiesen, das die künftige Konsultation indigener Gemeinschaften vor dem Abbau von Bodenschätzen in ihren Lebensräumen regelte. García gingen die Konsultationsrechte zu weit; “nationale Interessen” seien wichtiger als jene einzelner Gemeinschaften.

Ähnliche Konfliktlagen bestehen in Bolivien und Ecuador – beides Staaten, die bei der formellen Anerkennung der Rechte indigener Völker weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen, so das GIGA German Institute of Global and Area Studies. Die neuen Verfassungen Ecuadors (2008) und Boliviens (2009) zeichneten sich durch die umfassende Anerkennung von Menschenrechten sowie die Suche nach neuen Staats- und Entwicklungsmodellen aus.

Die Umsetzung der Verfassungstexte gestaltet sich der GIGA-Analyse zufolge jedoch schwierig. In Bolivien stoße die Schaffung eines plurinationalen Staates wegen historisch gewachsener Asymmetrien, fehlender Vorbilder und zahlreicher Interessenkonflikten an ihre Grenzen. In Ecuador klagten indigene Organisationen über “Hyper-Präsidentialismus” und die Verletzung des hehren Verfassungskonzeptes vom “Guten Leben” (Buen Vivir).

Über Bolivien und Ecuador hinaus, so das GIGA Institut, ist in Lateinamerika umstritten, wie indigene Gemeinschaften vor allem beim Abbau von Bodenschätzen in ihren Siedlungsgebieten konsultiert werden müssen. Im Kern geht es darum, ob die Konsultation lediglich Mitsprache oder effektive Mitentscheidung bedeutet. Für eine tatsächliche Gleichstellung der indigenen Völker bedürfe es sowohl einer Veränderung der dominanten Entwicklungsmodelle als auch der Arbeit an (auch materiell) gleichwertigen interkulturellen Beziehungen, stellt das GIGA Institut fest.

www.giga-hamburg.de

Bildquelle: Peter Mulligan; via Flickr.

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