UNICEF-Bericht zur Umsetzung der Millenniumsziele

UNICEF-Bericht zur Umsetzung der Millenniumsziele

Köln/New York (epo.de). – Zehn Jahre nach Verabschiedung der Millenniums-Entwicklungsziele hat UNICEF eine gemischte Bilanz gezogen. Zwar habe es seit 1990 deutliche Fortschritte gegeben, heißt es im aktuellen Bericht “Fortschritt für Kinder” des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Millionen weitere Kinder könnten nach Einschätzung von UNICEF aber gerettet werden, wenn die internationale Entwicklungshilfe sich gezielt auf die am stärksten benachteiligten Familien konzentrieren würde.

Weltweit haben UNICEF zufolge seit 1990 deutlich mehr Kinder Zugang zu sauberem Wasser, Schulbildung oder Impfschutz bekommen und die Kindersterblichkeit ist gesunken. Doch diese Fortschritte sind sehr ungleich verteilt und erreichen viele Kinder nicht, die sie am dringendsten benötigen. So haben Kinder aus den ärmsten Bevölkerungsgruppen ein doppelt so hohes Risiko, vor ihrem fünften Geburtstag zu sterben, als ihre wohlhabenden Altersgenossen. Jeden Tag sterben weiterhin rund 24.000 Kinder – vor allem an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten.

Heute gehen zwar mehr Kinder zur Schule als jemals zuvor, berichtet UNICEF. Doch immer noch haben über 100 Millionen Kinder keine Schulbildung – auch hier sind Kinder aus benachteiligten Familien und Mädchen besonders häufig ausgeschlossen. Im südlichen Afrika besuchen nur 65 Prozent der Kinder im Grundschulalter überhaupt eine Schule.

Der UNICEF-Bericht zeigt eine große Kluft beim Zugang zu einer sozialen und medizinischen Grundversorgung für Kinder: zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern, zwischen den ärmsten und den wohlhabendsten Bevölkerungsgruppen innerhalb der Länder, zwischen städtischen und ländlichen Gebieten sowie zwischen Jungen und Mädchen.

Untergewicht und chronische Unterernährung, so UNICEF, sind zum Beispiel vor allem bei den ärmsten Kindern im südlichen Afrika und in Südasien verbreitet. Kinder auf dem Land sind fast doppelt so oft gefährdet, hierdurch in ihrer gesamten Entwicklung geschädigt zu werden, als Kinder aus der Stadt.

Obwohl die Geschlechterkluft bei der Bildung sich langsam schließt, sind dem Bericht zufolge Mädchen in den Entwicklungsländern beim Schulbesuch weiter stark benachteiligt – insbesondere beim Zugang zu weiterführenden Schulen. Und trotz Fortschritten bei der Aids-Aufklärung ist das Infektionsrisiko bei Mädchen vor allem im südlichen Afrika deutlich höher als bei Jungen. Von den weltweit 884 Millionen Menschen, die kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben, leben 84 Prozent auf dem Land.

UNICEF ruft deshalb zu verstärkten Anstrengungen auf, die Millenniums-Entwicklungsziele gerade für die bisher ausgeschlossenen Bevölkerungsgruppen zu verwirklichen. “Bislang dachte man, eine Konzentration auf die am stärksten benachteiligten Kinder sei im Verhältnis zur Reichweite zu teuer”, erklärte UNICEF-Direktor Anthony Lake. “Aber eine Strategie, die auf Gerechtigkeit zielt, bedeutet nicht nur einen moralischen, sondern auch ganz praktischen Gewinn.”

Vom 20. bis 22. September 2010 hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York einberufen. Dort soll zehn Jahre nach der Verabschiedung der Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDG) Bilanz gezogen werden. Im Jahr 2000 hatten alle Regierungen versprochen, bis zum Jahr 2015 einen Katalog von acht messbaren Zielen zur Überwindung von Armut und Unterentwicklung umzusetzen. Die Ziele wurden zur Richtschnur der internationalen Entwicklungspolitik und der Arbeit von UNICEF.

www.unicef.de

Bildquelle: nordlicht62; via flickr.

About the Author