759 Millionen Menschen sind Analphabeten

759 Millionen Menschen sind Analphabeten

Bonn (epo.de). – 759 Millionen Menschen weltweit können weder lesen noch schreiben. Daran hat die UNESCO anlässlich des Welttags der Alphabetisierung am 8. September erinnert. Wird nicht mehr getan, werden 2015 noch 710 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben können, teilte die Deutsche UNESCO-Kommission mit. Als Hauptgrund nennt der UNESCO-Weltbildungsbericht 2010 mangelnde politische Entschlossenheit. Der Welttag widmet sich in diesem Jahr der “Alphabetisierung und Stärkung von Frauen”. Fast zwei Drittel der Analphabeten weltweit sind Mädchen und Frauen.

“Wer nicht lesen und schreiben kann, ist ein Leben lang benachteiligt. Es ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, den Analphabetismus weltweit zu bekämpfen”, sagte Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. “Vor allem Frauen und Mädchen müssen stärker gefördert werden, da sie in vielen Gesellschaften benachteiligt sind. Schreib- und Lesekompetenzen verbessern ihre Lebensqualität und tragen insbesondere zur besseren Gesundheit von Mutter und Kind bei.”

Nach Angaben der UNESCO sind 16 Prozent der Erwachsenen weltweit Analphabeten. Über die Hälfte der Analphabeten lebt in vier bevölkerungsreichen Ländern: Bangladesch, China, Indien und Pakistan. Auch in Ländern Subsahara-Afrikas ist der Analphabetismus besonders hoch: In Burkina Faso, Guinea, Mali und Niger liegt die Rate bei 70 Prozent.

Um gute Praxisbeispiele zur Alphabetisierung aus aller Welt bekannt zu machen, vergibt die UNESCO am Welttag der Alphabetisierung jährlich vier internationale Preise. Sie gehen in diesem Jahr an Projekte in Ägypten, Nepal, Kap Verde und Deutschland. Das Hamburger Institut für Lehrerbildung und Schulentwicklung erhält für das Projekt “Family Literacy” (FLY) den König-Sejong-Alphabetisierungspreis der UNESCO. Das FLY-Projekt in Hamburg fördert seit 2004 Schreib- und Lesekompetenzen von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund. 90 Prozent der teilnehmenden Eltern sind Frauen.

“Eltern sind die ersten und wichtigsten Lehrer ihrer Kinder. FLY hilft den Eltern über spielerische Anregungen, die Kinder in ihrer Alphabetisierungsentwicklung zu unterstützen”, sagte FLY-Projektleiterin Gabriele Rabkin. “Bei uns werden die Eltern gestärkt, um ihre Kinder beim Lesen- und Schreibenlernen zu unterstützen. Damit wollen wir schwierige Schullaufbahnen verhindern und die Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule stärken.”

Die Vereinten Nationen haben für den Zeitraum 2003 bis 2012 die Weltdekade der Alphabetisierung ausgerufen, deren Federführung die UNESCO übernommen hat. Ziel der Dekade ist es, die Analphabetenrate bei Erwachsenen bis zum Jahr 2015 um die Hälfte zu reduzieren.

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