Eröffnung der Wanderausstellung freedom roads!

Eröffnung der Wanderausstellung freedom roads!

(Freedom roads!)

Aus aktuellem Anlass thematisiert die Wanderausstellung freedom roads! die kolonialen Spuren im Stadtraum, hinterfragt koloniale Straßennamen und lädt zur Debatte und kreativen Beteiligung ein.

Die Jahre 2010 – 2012 sind von besonderer Aktualität für die Erinnerung an die deutsche und europäische Kolonialgeschichte in Afrika:

• 2009/2010 jähren sich zum 125. Mal Deutschlands offizieller Einstieg in die Kolonialpolitik und die berüchtigte Berliner Afrika-Konferenz von 1884/85, die als Schlüsselereignis bei der Aufteilung Afrikas unter den Großmächten gilt.

• im ‘Afrikanischen Jahr’ 1960 – also vor 50 Jahren – errangen 17 afrikanische Länder, darunter auch die ehemaligen deutschen Kolonien Kamerun und Togo, ihre staatliche Unabhängigkeit, die sie 2010 feiern. 2011 folgt das Jubiläum Tansanias (ehemals ‘Deutsch-Ostafrika’). Namibia, das einstige ‘Deutsch-Südwestafrika’, erkämpfte seine Freiheit vor genau 20 Jahren. Europas Stadtlandschaften sind geprägt von Spuren der Kolonialvergangenheit, Straßennamen erinnern bis heute an einst eroberte Gebiete und ehren koloniale Akteure. Auf lokaler Ebene engagieren sich mehr und mehr Initiativen für die kritische Auseinandersetzung mit diesen kolonialen Benennungen (s. www.freedomroads.de/frrd/umbenenn.htm). Kürzlich forderte ein bundesweites Bündnisses von über 70 NGOs, Kirchen, Bildungseinrichtungen, Gewerkschafts- und Parteigruppen die “Umbenennung von Straßennamen, die Kolonialisten ehren oder rassistische Begriffe enthalten, nach Persönlichkeiten des antikolonialen Widerstandskampfes”. Die historischen Bezüge der Straßennamen zum deutschen Kolonialismus sollen dabei möglichst gewahrt bleiben. (Siehe hierzu: Erinnerung an den 125. Jahrestag der Berliner Afrika-Konferenz: www.berliner-afrika-konferenz.de/aufruf)

Geschichte, Kunst und Beteiligung

Die erinnerungskulturelle und beteiligungsorientierte Ausstellung freedom roads! koloniale straßennamen / postkoloniale erinnerungskultur greift die aktuelle Debatte auf. Das Projekt erinnert an den langen Weg Ghanas und der ehemals deutschen sog. ‘Schutzgebiete’ von der Kolonisierung über den Widerstand bis zu ihrer Befreiung.

Die Wanderausstellung freedom roads!

• fragt nach Möglichkeiten transkultureller Erinnerung und debattiert öffentlich und international.

• nimmt deutsche Kolonialakteure (www.freedom-roads.de/frrd/akteur.htm) kritisch unter die Lupe. Sie zeigt auf, wie diese sog. ‘Kolonialhelden’ mit Straßennamen noch immer gewürdigt werden, wenngleich immer mehr Städte ihre Ehrung in Frage stellen (s. Straßenumbenennungen: www.freedomroads.de/frrd/umbenenn.htm).

• fasst Kolonialgeschichte auf als eine Erzählung anhaltender, aktiver und passiver Gegenwehr, an der sich ganz wesentlich auch afrikanische Frauen beteiligt haben.

• informiert über Persönlichkeiten der afrikanischen Geschichte, die als alternative NamensgeberInnen in Frage kommen.

• lädt afrikanische, afrodeutsche und deutsche Autorinnen und Autoren ein, sich mit eigenen Beiträgen an der Ausstellung zu beteiligen.

• dokumentiert die Arbeit lokaler Initiativen in den Städten, die koloniale Straßennamen kritisch hinterfragen (s. Straßenumbenennungen: www.freedomroads.de/frrd/umbenenn.htm)

• befragt ZeitzeugInnen aus afrikanischen Ländern, die in Deutschland leben, über ihre ganz persönlichen Erinnerungen an die Zeit des Umbruchs und der Unabhängigkeit.

• arbeitet vor Ort mit AnwohnerInnen, Schulklassen, afrikanischen und afrodeutschen Communities und Kunstschaffenden zusammen.

• wird von einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm begleitet:(Kreativ-)Workshops, Vorträge und Rundgänge

www.freedom-roads.de/frrd/veranst.htm

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, sich an freedom roads! zu beteiligen.

Willkommen sind:

• kreative Beiträge zur Ausstellung

Sammelaktion www.freedom-roads.de/pdf/FRRDSammelaktion.pdf

• Hinweise, historische Kenntnisse und Fotos an:

info@freedom-roads.de

• Ideen und Vorschläge für alternative NamensgeberInnen (in der Ausstellung)

• Diskussionsbeiträge im Webdebattenforum

(ab Ende August online unter www.freedom-roads.de/frrd/debat.htm)

Den Auftakt von freedom roads! bildet die Ausstellung, die vom 28.8. – 3.10.2010 in Berlin zu sehen sein wird. 2011-2012 reist das Projekt dann als Wanderausstellung durch Deutschland. Auf dem Weg von Stadt zu Stadt wird es mit den Themen vor Ort und unter Beteiligung Vieler wachsen. 2012 kehrt freedom roads! zu einer Gesamtschau nach Berlin zurück, wo ein internationales Netzwerktreffen stattfinden wird.

Christian Kopp

HMJokinen

Bildquelle: Andreas Bohne

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