Kopenhagen: Sibirische Ureinwohner werden ignoriert

Kopenhagen: Sibirische Ureinwohner werden ignoriert

Göttingen/Kopenhagen. – Die Ureinwohner Sibiriens fühlen sich auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen übergangen. Dies berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), die in ständigem Kontakt mit einigen dieser indigenen Gruppen steht, am Mittwoch.

“Zwar gibt es Diskussionsforen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die indigenen Völker Grönlands und Kanadas, doch niemand beschäftigt sich mit Sibirien”, wirft Olga Muraschko vom Dachverband der indigenen Völker Sibiriens, des Nordens und Fernen Ostens Russlands, den Organisatoren der Kopenhagener Konferenz vor.

Weder die russische Regierung noch die internationale Gemeinschaft scheinen die Gefahren, die vom Klimawandel in Sibirien für die Ureinwohner ausgehen, angemessen zu behandeln, kritisiert die GfbV-Referentin für die GUS-Staaten, Sarah Reinke. “Während Ministerpräsident Wladimir Putin meint, ein bisschen mehr Wärme sei für Russland nicht schlecht, dann bräuchten nicht mehr so viele Pelze getragen zu werden, müssen die indigenen Rentierzüchter zusehen, wie ihre Tiere Hunger leiden und zu schwach werden, um die Schlitten zu ziehen.”

Eine Region, die vom Klimawandel und von zunehmender industrieller Ausbeutung betroffen sei, sei die Jamal-Halbinsel. Dort lebten 41.000 Nenzen, von denen heute noch 10.000 als Halbnomaden jährlich zwischen 500 und 1.000 Kilometer mit ihren Rentieren zurück legten, um zwischen den Sommer- und Winterweiden zu wechseln. Mit den Samen in Schweden und Finnland gehören sie zu den letzten traditionellen Rentierzüchtern weltweit. Schon heute leiden die Nenzen unter den Folgen des Klimawandels. So lässt sich das Wetter nicht mehr so gut voraussehen wie früher. Deshalb müssen die Rentierzüchter mit größeren Unwägbarkeiten für ihre Tiere leben. Das Eis auf dem zugefrorenen Ob, auf dem sie traditionell zu ihren Winterlagern in den Süden ziehen, wird immer später tragfähig. Da die Weidesaison jedoch früher endet, finden ihre Tiere in der Wartezeit nicht mehr genug Futter und müssen hungern.

Zusätzlich zu diesen Problemen trägt auf Jamal ein ehrgeiziges Industrie- Projekt zur Zerstörung der Lebensweise der Nenzen bei: Eine Pipeline, an deren Bau sich auch die deutsche E.ON beteiligen will, durchschneidet die Wanderrouten der Rentierherden. So werden die Ureinwohner gezwungen sein, die traditionelle Rentierzucht aufzugeben. Die russische Regierung hat ihnen zwar Häuser in Salechard, der Hauptstadt Jamals, angeboten. Dies geht jedoch vollkommen an den Wünschen und Bedürfnissen der Nenzen vorbei. Sie wollen über ihre Zukunft mitbestimmen dürfen.

Auf Jamal gibt es enorme Öl- und Gasreserven, die über die so genannte North Stream Pipeline auch nach Deutschland fließen sollen. An der Pipeline hält E.ON 20 Prozent Anteile. Aufsichtsratsvorsitzender des Pipelinekonsortiums ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

www.gfbv.de

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