SODI-Aktion zum Welttoilettentag in Berlin

SODI-Aktion zum Welttoilettentag in Berlin

Zum Welttoilettentag am 19.11.2009 hat der Solidaritätsdienst-international e.V. (SODI) in einer öffentlichen Aktion auf die anhaltenden Missstände hinsichtlich der sanitären Versorgung in Entwicklungsländern aufmerksam gemacht. Vergangenes Jahr stand die Sanitärversorgung mit dem „Internationalen Jahr für sanitäre Grundversorgung“ für kurze Zeit im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Nach UN-Angaben müssen weltweit immer noch 2,5 Milliarden Menschen ohne ausreichende sanitäre Versorgung leben. Der mangelnde Zugang zu Sanitäranlagen und zu sauberem Wasser verursacht unter anderem vermeidbare Durchfallerkrankungen bei Kindern. Pro Tag sterben hierdurch 6000 Kinder weltweit. Laut einer aktuellen Studie von UNICEF und WHO wird das siebte Millenniumsentwicklungsziel der Vereinten Nationen, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanitärer Grundversorgung um die Hälfte zu senken, bei den derzeitigen Bemühungen um mehr als 700 Millionen Menschen verfehlt. SODI fordert daher eine andere Qualität der Anstrengungen und wirbt mit einer neuen Technologie für nachhaltige Lösungen.

Bei der Aktion von SODI am Berliner S-Bahnhof Friedrichsstraße wurde die Öffentlichkeit unter dem Motto “Stell Dir mal vor, du musst mal … und keine ist da” informiert. Sechs große Ausstellungstafeln umgaben den Info-Stand. Auf ihnen sind hockende Menschen abgedruckt, die sich hinter Telefonzellen oder Abfalleimern verbergen. Mit der Ausstellung der German Toilet Organisation sollte auf die unzureichenden hygienischen Bedingungen aufgrund fehlender Toiletten in Entwicklungsländern aufmerksam gemacht werden. Zudem wurde das SODI-Projekt “600 Trockentoiletten in Namibia” vorgestellt. Das Projekt zielt insbesondere auf den Raum Sub-Sahara-Afrika ab, wo die Probleme sanitärer Versorgung besonders groß sind. Gemeinsam mit der namibischen Organisation Clay House Project verbessert SODI die Lebenssituation tausender Bewohner einer Armensiedlung.

Da sich besonders arme Menschen in Entwicklungsländern die Wasserkosten für Toiletten nach westlichem Standard nicht leisten können, wurde in Namibia ein Trockentoilettensystem entwickelt und erprobt: die “Otji-Toilette”. Sie ist speziell angepasst an die ökologische Situation des Landes und die finanzielle Situation der Menschen. Im Jahr 2002 wurde die Otji-Toilette aus verschiedenen Trockentoilettensystemen entwickelt. Über 400 Mal wurde sie bereits gebaut, unter anderem für 200 SODI-Lehmhäuser. Sie bietet eine nachhaltige Alternative zu allen wasserverbrauchenden Systemen und ist wegen ihrer ausgefeilten Technik völlig geruchlos. Sie ist einfach zu bedienen, kaum reparaturbedürftig und kann als separates Häuschen oder im Wohnhaus gebaut werden. Im Kampf gegen die Ausbreitung von Krankheiten, wie Durchfall und Cholera, bieten Trockentoiletten eine optimale Lösung. Gleichzeitig schonen sie die Umwelt und sind für arme Menschen erschwinglich. Durch eine Trockentoilette werden jährlich 70 000 Liter Wasser gespart, das die Menschen als Trinkwasser und zum täglichen Leben nutzen können. Zudem werden Böden, Oberflächengewässer und Grundwasser nicht länger durch unkontrollierte Abflüsse belastet.

Andreas Schulz

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