Frauen, Armut und Entwicklung

Frauen, Armut und Entwicklung

Heute möchten wir Euch im Rahmen des SODI-Frauenprojektes in Vietnam einmal allgemeine und aktuelle Informationen zu der dramatischen Situation von Frauen in vielen Regionen der Welt geben.

Anlass und Anhaltspunkt ist der Millenniumsbericht der UNO für 2009, der die Realisierung der im Jahr 2000 beschlossenen Millenniums-Entwicklungsziele darstellt. In den Projekten von SODI, und im Frauenprojekt in Vietnam im Speziellen, werden Frauen besonders stark gefördert. Denn es sind Frauen, die am stärksten von Armut betroffen sind. Gleichzeitig haben gerade sie ein großes Entwicklungspotenzial. Wir hoffen bei unserer Arbeit weiterhin auf Eure Unterstützung.

Die Situation für Frauen ist weltweit, aber vor allem in vielen Entwicklungsländern sehr problematisch. Der Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM) schreibt, dass Frauen einen überproportionalen Anteil an der weltweiten Armut auf sich vereinen. Als vorrangiger Grund nennt er die systematische Diskriminierung, mit der Frauen vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeit und Besitz konfrontiert werden.

Als Folge werden ihre Grundrechte häufig missachtet und sie geraten in eine Position der vollständigen Abhängigkeit. Laut Schätzungen beträgt der Anteil der Frauen an den weltweit Armen bis zu 70% und an den Analphabeten etwa 60%.

Angesichts der nach wie vor anhaltenden Weltwirtschaftskrise werden im aktuellen Millenniumsbericht der UNO herbe Rückschläge in Bezug auf Geschlechter-Gleichberechtigung und der Verbesserung der Gesundheitssituation von Frauen befürchtet.

Bei der Betrachtung der neuen Statistiken wird ein Aspekt deutlich: Die Förderung der Rechte von Frauen ist in vielen Bereichen von großer Bedeutung. So zeigen Studien, dass eine steigende Rate von Frauen mit Schul- oder Ausbildung in einem positiven Zusammenhang zu einer sinkenden Kindersterblichkeitsrate steht.Eine niedrige Analphabetenrate bei den Eltern erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Schulbesuchs ihrer Kinder. Bildung hat zudem einen positiven Effekt auf den Erfolg von Maßnahmen zur HIV-Prävention sowie die Chance auf eine angemessene Arbeit. Werden Frauen also von diesen Bereichen ausgeschlossen, hat das dramatische Auswirkungen für sie und die Entwicklung der Gemeinschaft.

Die International labour Organization (ILO) schätzt, dass die weltweite Arbeitslosigkeit 2009 auf 6,0 bis 7,0 % für Männer und 6,5-7,4% für Frauen steigen könnte. Gerade Frauen arbeiten in unsicheren – und oft unbezahlten – Jobs. Die UNO fordert daher in ihrem Bericht verstärkte Anstrengungen in Bezug auf angemessene Arbeit auch für Frauen. (Vgl. MDG-Bericht 2009 S. 4 f.)

Der Anteil der Frauen an bezahlter Arbeit außerhalb des Agrarsektors ist in den letzten Jahren nur marginal gestiegen. Vor allem in Südasien, Nordafrika und Westasien sind die Arbeitsmöglichkeiten für Frauen nach wie vor gering. (S. 5) Von 1998-2008 stieg das employment-to-population-Verhältnis (das Verhältnis von arbeitsfähiger Bevölkerung zu tatsächlich arbeitenden Menschen) für erwachsene Frauen zwar weltweit von 48 auf 49%, jedoch sind trotz dieses Anstiegs nach wie vor weit mehr Frauen als Männer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Besonders ungünstig ist hier das Verhältnis in Nordafrika, Westasien (jeweils 45% niedriger als das der Männer) und Südasien (44% geringer) (S. 5).

Dem laut ILO wahrscheinlicheren von insgesamt zwei Szenarien nach kann vor allem aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise 2008 die Zahl der in verletzlicher Arbeit (unbezahlte Arbeitskräfte z.B. in Heimarbeit oder auf eigene Faust-Arbeitskräfte) Beschäftigten um bis zu 77 Mio. Menschen höher gelegen haben als 2007. (S. 9) In beiden Szenarien waren 2008 in Ozeanien, Sub-Sahara-Afrika und Südasien weit über 80% der weiblichen Arbeitskräfte in verletzlichen Arbeitspositionen beschäftigt (S. 9).

Genau bei diesen Problemen setzt das SODI-Projekt in Vietnam an: Um einen Abstieg von Frauen in verletzliche Arbeit zu verhindern, verfolgt SODI einen doppelten Ansatz. Die geförderten Frauen erhalten nicht nur eine für einen eigenen Verdienst notwendige Ausbildung, sondern sie werden auch über ihre Rechte aufgeklärt. So können sie der sonst drohenden Abhängigkeit und unbezahlten Ausbeutung entgehen.

Die Entwicklungen weltweit gehen nicht nur zu langsam voran, sie sind teilweise sogar rückläufig. Wie sich die Situation von Frauen durch die Wirtschaftskrise entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Die Prognosen sehen sehr beunruhigend aus. Um so wichtiger ist es nun, dass wir aktiv an der Stärkung und den Entfaltungsmöglichkeiten von Mädchen und Frauen mitarbeiten, um sie und ihre Gemeinschaften bei ihrem Weg aus der Armut und Abhängigkeit zu unterstützen.

von Dominik

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