Der Schatten über der Afrikameisterschaft

Im Januar 2010 fand in Angola die 27. Afrikameisterschaft im Fußball statt. In der Afrika-Süd-Ausgabe 5/09 habe ich einen Artikel mit „Im Schatten der Weltmeisterschaft“ überschrieben. Aufgrund des Überfalls auf die togolesische Mannschaft kurz vor Beginn der Meisterschaften ist dieser Artikel mit „Der Schatten über der Afrikameisterschaft“ betitelt. Nach dem Ende der Afrikameisterschaften lohnt ein kurzer Blick auf das Turnier.

Es sollten Afrikameisterschaften werden, die das neue Selbstverständnis von Angola deutlich zeigen sollten: wirtschaftliches Wachstum, politische Stabilität und nationales Selbstbewusstsein. Kurz vor Beginn wurde jedoch die togolesische Mannschaft an der Grenze zwischen der Republik Kongo und Cabinda von Rebellen angegriffen. Mit vielfältigen Folgen: Erstens, die togolesische Delegation hatte drei Tote zu beklagen und musste auf Beschluss der Regierung abreisen. Zweitens war die Afrikameisterschaft auf einmal im Fokus des europäischen Medieninteresses, wo sonst meist nur der Afrikameister erwähnt wird (obwohl in der Tagesschau vom 31.01.2010 dies keine Erwähnung fand). Im gleichen Atemzug wurde die Sicherheitsfrage zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika wieder kontrovers diskutiert. Der einseitige Diskurs in den meisten Medien mit Blick auf die WM wurde noch einmal verstärkt. Und drittens liegt über diese Afrikameisterschaften ein Schatten, der retrospektiv immer wieder genannt werden wird.

Weitermachen als Slogan
Nach dem Anschlag kam es aus Richtung Togos zu Forderungen, die Meisterschaften abzusagen. Den angolanischen Verantwortlichen, wie auch der Confédération Africaine de Football (CAF), blieb nichts weiter übrig, als die Meisterschaften trotzdem beginnen zu lassen. Alles andere wäre ein Zugeständnis an sezessionistischen Gruppen gewesen. Die Afrikameisterschaften sollten doch gerade nationale Zusammengehörigkeit verdeutlichen. Von angolanischer Regierungsseite wurde der Angriff als „terroristischer Akt“ bezeichnet und der togolesischen Mannschaft eine gewisse Mitschuld zugeschrieben, da keine Anreise mit dem Bus geschehen sollte. Kurz vor Ende der Afrikameisterschaften wurde Togo auch noch von den Africa-Cups 2012 und 2014 ausgeschlossen sowie eine Geldstrafe verhängt. Gegen den Ausschluss will Togo juristisch vorgehen.

Cabinda für kurz im Spotlight
Nicht ganz geklärt werden konnte, wer hinter dem Angriff stand. Nach den meisten Medien bekannte sich der bewaffnete Arm der “Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda” (FLEC – Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda) zu dem Angriff. Nach einem Artikel im Guardian (Ausgabe 09.01.2010) hatte die FLEC alle Verantwortung dagegen bestritten. Trotz des tragischen Überfalls findet sich in den Medien auch die Meinung, dass dadurch dieser vergessene Konflikt und bestehende Menschenrechtsverletzungen, zumindest kurzzeitig, publik wurden. Es ist aber auch zu erwarten, dass die Auseinandersetzung in und um Cabinda wieder schnell aus dem Medieninteresse verschwinden wird . Befürchtet wird eine weitere Zunahme von Menschenrechtsverletzungen unter dem Deckmantel der „Terroristenbekämpfung“ und sowie weiterhin ein Mangel an Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Entwicklung.

Die sportliche Seite
Neuer Afrikameister ist Ägypten und konnte somit das dritte Mal in Folge den Pokal gewinnen. Die Mannschaft erwies sich als spielerisch konstanteste über das gesamte Turnier. In Reihen der ägyptischen Mannschaft findet sich auch der beste Spieler des Turniers Ahmed Hassan und der beste Torschütze Mohammed Nagy Gedo. Andere Mannschaften wie Ghana und Nigeria belegten zwar den 2. bzw. 3. Platz, oftmals aber nur mit minimalistischem Fußball. Enttäuschend war das Abschneiden der Côte d’Ivoire, die für viele der Favorit war. Einige Spiele werden in die Annalen des afrikanischen Fußballs eingehen. So das Eröffnungsspiel Angola gegen Mali, als der Gastgeber trotz einer 4:0 Führung sich innerhalb der letzten 15 Minuten noch mit einem Unentschieden begnügen musste.

Die nächsten Afrikameisterschaften finden 2012 in Gabun und Äquatorialguinea statt. Hier bleibt es abzuwarten, ob die Medien über die Sicherheitsfrage hinaus über das wichtigste sportliche Ereignis in Afrika berichten werden.

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