“Dominance of poverty in rural areas …” – Ermittlung von ländlicher Armut durch Haushaltsbefragungen

Ähnliche Aussagen zur Armut wie oben finden sich in vielen Auswertungen von nationalen Haushaltsbefragungen afrikanischer Staaten. Sie zeigen eine Persistenz und eine bestehende hohe Rate ländlicher Armut.

Nationale Haushaltsbefragungen (household surveys) bieten einen umfangreichen Blick auf soziale, ökonomische und infrastrukturelle Bedingungen. Im Gegensatz zu lokalen und regionalen Untersuchungen ermöglicht die hohe Anzahl an befragten Haushalten ein umfassendes gesellschaftliches Bild und die Erfassung der Wirkungen von Politik und Strategien. Durchgeführt im Abstand mehrerer Jahre, ermöglichen Haushaltsbefragungen einen Überblick über Veränderungen oder Persistenz gesellschaftlicher Faktoren.

Ermittlung ländlicher Armut durch Haushaltsbefragungen

Die Mehrzahl der Bevölkerung in Entwicklungs- und Schwellenländern lebt in ruralen Gebieten, überwiegend abhängig von der Landwirtschaft. Haushaltsbefragungen ermitteln die Situation der ländlichen Bevölkerung, wie beispielsweise Besitz- und Anbaustrukturen, Einkommen und somit Armut.

Zwar ist die Vergleichbarkeit zwischen Ländern teilweise mit Vorsicht zu betrachten, da unterschiedliche Definitionen von Armutsschwellen genutzt werden, ebenso die Anzahl der befragten Haushalte unterschiedlich ist. Gemeinsamkeiten bestehen neben der hohen Grundgesamtheit oftmals in der Ausweisung des Head Count Ratio, d.h. der prozentuale Anteil der Bevölkerung unter der festgelegten Armutsschwelle sowie die Ermittlung der Armut durch das Vorhandensein (möglicher) Geldausgaben der Haushalte. Neben der Ableitung monetärer Armutsschwellen, werden zum Teil auch selbst eingeschätzte Armutsmaße oder nicht-monetäre Maße, z.B. beziehend auf Bildung oder Kindersterblichkeit genutzt.

Ländliche Armut in afrikanischen Staaten

Die Tabelle dokumentiert das Ausmaß ländlicher Armut, ermittelt durch jüngere Haushaltsbefragungen, in ausgewählten afrikanischen Staaten.

Land Befragungsjahr Ländliche Armut (in %) Städtische Armut höher () oder geringer()
Äthiopien 2000 45,0
Benin 2003 47,0
Burkina Faso 2003 52,4
Gambia 2003 63,0
Ghana 2006 39,2
Guinea-Bissau 2002 70,3
Kamerun 2001 49,9
Kenia 2006 49,7
Malawi 2005 55,9
Mozambique 2003 55,2
Ruanda 2000 65,7
Sambia 2006 78,0
Sierra Leone 2004 79,0
Swaziland 2001 75,0
Tansania 2007 37,6
Uganda 2003 41,7
Ermittelte ländliche Armut durch Haushaltsbefragungen
Quelle: Eigene Zusammenstellung nach CSO Sambia (3006); NBS Tanzania (2008);
NSO Malawi (2005); World Bank (2004), (2005), (2006), (2008), (2009).

Es zeigt sich, dass eine große Spanne zwischen den Armutsraten liegt, jedoch im Allgemeinen die Werte als sehr hoch anzusehen sind. Dabei sind die Armutsraten in ländlichen Gebieten immer über den Armutsraten in den urbanen Gebieten. Die Daten zeigen mangelnde Chancen an wirtschaftlicher Teilhabe für ländliche Haushalte. Sowohl landwirtschaftliche Nettoimportländer (z.B. Äthiopien, Gambia, Sierra Leone) als auch Nettoexportländer (z.B. Burkina Faso, Ghana, Malawi) zeigen hohe Armutsraten.

Aufgrund der bestehenden hohen ländlichen Armut ist die Entwicklung der Agrarwirtschaft und ländlichen Entwicklung ein Schlüsselbereich der Politik und Entwicklungszusammenarbeit.

Jedoch müssen Maßnahmen auf den lokalen und regionalen Raum angepasst werden, da Bedingungen und Armut zwischen Regionen und Distrikten stark variieren. Nationale Daten können aber zur Entwicklung von Strategien beitragen.

Von Interesse werden die Ergebnisse von Haushaltsbefragungen in den kommenden Jahren sein, um die Auswirkungen der hohen Nahrungsmittelpreise seit 2008 und der Wirtschafts- und Finanzkrise auf die ländliche Bevölkerung zu zeigen.

Von Andreas Bohne

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